Dienstag, 23. Januar 2018
 

Podcast Spielstätten

letzte kommentare

dank

| Drucken |

Theaterlandschaft Finnland

Beitragsseiten
Theaterlandschaft Finnland
Seite 2
Seite 3
Alle Seiten

Zusätzlich zum breiten Theaternetzwerk finden in Finnland zahlreiche Festivals statt. Das größte ist das Tampere Theatre Festival, das aktuelle ausländische Inszenierungen zeigt sowie eine Auswahl der besten finnischen Produktionen der jeweiligen Spielzeit. Das Tampere Festival, zusammen mit dem von den Helsinki Festspielen organisierte Stage Festival und dem traditionsreicheren Baltic Circle Festival in Helsinki sind Treffpunkte für Zuschauer, die neue Strömungen des zeitgenössischen Theaters mitverfolgen wollen. Die sogenannten Gesetzlosen, die freien Gruppen, welche nicht ins Gesetz zur Förderung der Theater aufgenommen wurden, treten bei ihrem eigenen Festival in Pori auf. Für Amateurgruppen gibt es mehrere Festivals, von denen die in Mikkeli und Seinäjoki die größten sind.

Die Spielpläne der finnischen Theater reichen von Hit Musicals und Komödien über Klassiker bis zu neueren einheimischen wie ausländischen Stücken. In der Spielzeit 2006/2007 waren 203 finnische Stücke auf den Spielplänen, 38 Prozent davon Uraufführungen, von den 154 ausländischen Stücken waren 26 Prozent finnischsprachige Erstaufführungen. Der größte Teil der ausländischen Stücke kommt aus England und Amerika. Der Anteil an zeitgenössischen finnischen Stücken ist in den letzten 15 Jahren spürbar gewachsen.

Junge Sprache, die einen wichtigen Platz einnimmt
Der Anstoß für das Wachstum der finnischen Dramatik kommt von der Dramaturgenausbildung an der Theaterhochschule, die vor allem das Schreiben in den Vordergrund hebt. Jedes Jahr schließen talentierte Autoren diesen Studiengang ab (beispielsweise Maria Peura, Marjo, Niemi, Anna Krogerus, Tuomas Timonen, Heini Junkkaala, Okko Leo, Otso Huopaniemi, Maria Kilpi). Viele von ihnen haben nicht nur für ihre Dramatik, sondern auch für ihre Prosa Anerkennung, gute Rezensionen und Preise erhalten. Die Vielseitigkeit der finnischen Dramatiker zeigt sich auch darin, dass fast die Hälfte der Uraufführungen von den Autoren selbst inszeniert wird.

Damit man das finnische Theater von heute verstehen kann, muss man sich einen kurzen Überblick über die Entwicklung des Theaters verschaffen. Verglichen mit den europäischen Theater-Großmächten ist das finnische Theater sehr jung. Die ersten Theatervorstellungen in finnischer Sprache schafften es erst in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ins Rampenlicht, und die eigentliche Zeitrechnung des finnischen Theaters hat mit Aleksis Kivi angefangen, dessen Stück "Die Heideschuster" (1864) und der zum Teil in dramatischer Form geschriebene Roman "Die sieben Brüder" (1870) als Wegweiser für die Entwicklung des finnischsprachigen Dramas und überhaupt der finnischsprachigen Literatur verstanden werden können. Das im 19. Jahrhundert noch spärliche Publikum verfolgte in den eben erst gegründeten Theatern nicht nur finnische Stücke – die finnische Sprache hatte eben erst ihre endgültige Form als Schriftsprache gefunden –, sondern vor allem deutsche und skandinavische Neuheiten.

Tiefe Verankerung in alltäglichen Erfahrungen und Problemen
Auch wenn man mit dem Theaterhandwerk bei nahezu Null anfangen musste und fast ausschließlich auf Amateurkräfte angewiesen war, so stand doch von Anfang an fest, dass das finnische Theater den Entwicklungen in den Nachbarländern folgen und versuchen würde, mit neuen Strömungen mitzuhalten. Gleichzeitig blieb Theater eine Freizeitbeschäftigung für das gesamte Volk, tief verankert in den alltäglichen Erfahrungen und Problemen. Diese realistische und mit den Zuschauern auf eine gleiche Stufe gesetzte Haltung hat sich im finnischen Theater bis heute erhalten.
Heute wird mehr als je zuvor fürs Theater geschrieben, und einheimische Stücke sind ein sicherer Garant, dass Eintrittskarten ihre Abnehmer finden. Das Theater versucht, möglichst schnell auf gesellschaftliche Veränderungen und Probleme zu reagieren.