Montag, 25. September 2017
 

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Theaterlandschaft Finnland

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Freizeitbeschäftigung fürs ganze Volk

von Jukka-Pekka Pajunen

Finnland, in der nördlichen Ecke Europas, ist ein Tummelplatz für Theaterfanatiker. Ein beachtlicher Teil der 5,3 Millionen Einwohner nennt Theater als Freizeitbeschäftigung. Jährlich werden gut 4 Millionen Eintrittskarten für Theater-, Tanz- und Opernvorstellungen verkauft. Einen Eindruck von der Dichte der Theatervorstellungen vermittelt die Tatsache, dass allein in der Gegend um Helsinki in einer Woche während einer ausgelasteten Theatersaison ungefähr 60 Vorstellungen zur Auswahl stehen.

Das Theaternetz erstreckt sich über das ganze Land und ermöglicht allen Einwohnern dieses spärlich besiedelten Landes, professionelles Theater in ihrer Heimatprovinz zu sehen. Theater gehört neben Bibliotheken, Orchestern und Museen zu den Kulturdienstleistungen, die von den Kommunen angeboten werden. Die größte Konzentration an Theatern findet man in den Städten im Süden: Helsinki hat 15 Theater, von denen die größten mindestens zwei Bühnen haben, in Tampere gibt es sechs und in Turku fünf. Die Stadttheater wie auch das Nationaltheater verfügen über fest angestelltes Personal, dessen künstlerischer Kern aus dem Ensemble, festen Regisseuren, Bühnen- und Kostümbildnern sowie Dramaturgen besteht. Auch freie Gruppen sind bestrebt, ein kleines Ensemble zu engagieren, das sie mit Gastschauspielern vervollständigen. Das Ensemble ermöglicht ein Repertoiresystem, während ein großer Teil der freien Szene en suite spielt.

Gesetzlich verankerte Subventionspflicht
Schon seit Jahrzehnten folgt die Finanzierung des Theaternetzwerks dem gleichen Modell: die Kommunen kommen für ungefähr 40 Prozent der Kosten auf, der Staat deckt 30 Prozent, und die Theater bringen mit Karteneinnahmen die restlichen 30 Prozent ein. Diese Aufteilung betrifft 45 Schauspieltheater, sechs davon produzieren für die schwedischsprachige Minderheit Finnlands. Ihre staatlichen Subventionen sind gesetzlich verankert, eine Eigenheit Finnlands, das seit 1993 über ein Gesetz zur Förderung der Theater und Orchester verfügt. Die Subventionierung des Nationaltheaters wird separat geregelt. Von regelmäßigen staatlichen Subventionen ausgeschlossen sind die 51 professionellen Gruppen der freien Szene, die über 50 Prozent ihres Etats einspielen müssen und deren sonstigen Gelder vom Staat, den Kommunen und anderen Geldgebern kommen. Rein kommerzielle Theater, die gänzlich ohne öffentliche Gelder auskommen, gibt es in Finnland nur wenige. Sie produzieren fast ausschließlich Musiktheater und leichte Komödien.