Sonntag, 22. Juli 2018
 

Podcast Spielstätten

letzte kommentare

dank

| Drucken |

Theaterlandschaft Finnland

Beitragsseiten
Theaterlandschaft Finnland
Seite 2
Seite 3
Alle Seiten

Ganz bestimmt werden die Spielpläne schon im Herbst 2009 Stücke vorweisen, welche die sich frisch entwickelnde Krise und die wachsende Arbeitslosigkeit behandeln. Ein gewisser volkstümlicher Charakter bedeutet im finnischen Theater nicht, Schwänke zu spielen, sondern Blickwinkel einzunehmen, die eine Identifizierung durch das Publikum ermöglichen. Probleme oder überhaupt Menschen werden meistens durch Individuen dargestellt, wodurch ein umfassenderes Bild von der Beziehung zwischen dem Individuum und der Gesellschaft entsteht.

Obwohl die Themen für gewöhnliche Zuschauer zugänglich sind – seien sie Putzfrauen, Klempner, Lehrer oder Juristen – variieren die theatralischen Formen der Stücke doch beträchtlich. Das traditionelle well-made-play macht in den Spielplänen noch die Mehrheit aus, aber auch experimentelle und konzeptuelle Ansätze finden ihren Platz. Vor allem freie Gruppen sind bereit, neue Theatertrends aus der ganzen Welt aufzusaugen und bringen dem finnischen Publikum brandaktuelle Kostproben neuer Strömungen. Weil die Theater ein Teil des Kulturangebots der Kommunen sind, haben sie auch eine fördernde Aufgabe gegenüber der Gemeinschaft. Lokale Thematiken wie Lokalgeschichte, lokale Persönlichkeiten oder sogar die örtliche Natur sind eine unerschöpfliche Quelle für Themen für die Stadttheater.

In den 60er Jahren Bau zu großer Bühnen
Wie anderswo in Europa, ist auch in Finnland die Kommerzialisierung des Theaters spürbar. Allzu oft wird Kreativität von der Ideologie einer wirtschaftlichen Produktivität vorangetrieben. Mit der Ende der 60er-Jahre losgetretenen, politisch gefärbten Sturzwelle des kulturellen Bewusstseins ging in Finnland ein Bauboom neuer Theatergebäude einher, was dazu führte, dass die großen Bühnen der Stadttheater im Verhältnis zu der heutigen segmentierteren Zuschauerbasis und einem expandierten Theaterangebot zu groß gebaut wurden. Dies führte dazu, dass die großen Bühnen kommerzialisiert wurden und es den kleinen Bühnen überlassen ist, sogenannte Kunst zu produzieren.

Die Situation wurde mittlerweile erkannt, und der Kampf hat schon begonnen, die Kunst zurück auf die großen Bühnen zu bringen. Das Nationaltheater ist unter den großen Theatern das einzige, das es geschafft hat, reines Sprechtheater zu zeigen, und das auch die sonst so beliebten angloamerikanischen Komödien nicht in den Spielplan nimmt. Neue Generationen von Theaterschaffenden (etwa Heidi Räsänen, Saana Lavaste, Emilia Pöyhönen) haben mutig die wirtschaftliche Herausforderung angenommen und außerhalb der Stadttheater und etablierten Theater gearbeitet. Neben neuen Gruppen und Spielstätten haben viele der jungen Macher (Miko Jaakkola, Riku Innamaa, Samuli Reunanen) auch in den großen, von der öffentlichen Hand finanzierten Theatern Fuß gefasst, und die optimistischeren unter uns hören schon die letzten Stunden des schlimmsten Kommerzdenkens schlagen.

(Aus dem Finnischen übersetzt von Martina Marti)

zurück zum Anfang des Artikels

Hier geht es zu den Texten über den finnischen Dramatiker und Regisseur Kristian Smeds.




Kommentare (0)Add Comment

Kommentar schreiben
smaller | bigger

busy