Sonnabend, 22. September 2018
 

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Theaterlandschaft Polen

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Man kann insofern tatsächlich davon sprechen, dass sich das polnische Theater seine neuen Autoren selbst geschaffen hat. Zwar weiß man in Polen, wie wichtig in Deutschland Stückemärkte, Autorentage und Workshops zur Förderung neuer Dramatik waren und sind, aber solche systematischen Bemühungen blieben den jungen polnischen Theaterautoren weitgehend versagt. Dafür hatten sie von Anfang an das Theater auf ihrer Seite und mit der monatlich erscheinenden Zeitschrift "Dialog", die in jeder Ausgabe mehrere Stücke abdruckt, auch ein Publikationsforum, wenn auch ein in seiner Reichweite begrenztes (während eine die erste Welle dokumentierende Anthologie unter dem knalligen Titel "Generation Porno" erschien und sich dementsprechend gut verkaufte). Das Nachspielen von frisch uraufgeführten Stücken ist freilich auch in Polen eine rare Angelegenheit, da setzen die Theater lieber auf das nächste neue Stück des mit ihnen verbundenen Autors.

Die Prosaisten kommen
Diese Entwicklung der vom Theater eingeladenen Autoren setzte sich auf einer gewissermaßen höheren Ebene fort, als auch namhafte Prosaautoren fürs Stückeschreiben umworben wurden. So schrieb Andrzej Stasiuk – der heute in Deutschland wohl bekannteste polnische Schriftsteller der mittleren Generation – für eine Koproduktion des Stary Teatr in Krakau und des Düsseldorfer Schauspielhauses 2004 mit "Nacht" sein erstes Stück, eine "slawo-germanisch medizinische Tragikfarce", die den gewitzten Essayisten im dramatischen Metier erkennen ließ.

Auch der Jungstar der polnischen Literatur, Dorota Maslowska, ließ sich von dem renommierten Regisseur Grzegorz Jarzyna zu einem Versuch mit dem Theater überreden: 2006 wurde ihr Stück "Zwei arme polnisch sprechende Rumänen" in Warschau uraufgeführt, die deutschsprachige Erstaufführung folgte letztes Jahr bei den Wiener Festwochen durch Armin Petras, an dessen Maxim Gorki Theater die Inszenierung weiterhin auf dem Spielplan steht. Maslowskas zweites Stück "Wir kommen gut klar mit uns" wurde in diesem Frühjahr sogar an der Berliner Schaubühne uraufgeführt, bevor Jarzyna die Produktion dann am heimatlichen TR Warszawa zeigte.

Stasiuk und Maslowska gehören zu den polnischen Autoren, die in Deutschland bereits wie selbstverständlich wahrgenommen werden, was sie eben zum Gutteil ihrem Renomée als Prosaschriftsteller verdanken. Den anderen, den nur vom Theater her kommenden Weg dagegen beschritt der 1979 geborene und an der Warschauer Fakultät für Regie ausgebildete Michal Walczak mit seinem Start in der harten Provinz von Walbrze, wo der Intendant und Regisseur Piotr Kruszczynski nach dem "Bergwerk" noch seine Stücke "Sandkasten" und "Der Mann, der Gott im Schrank hatte" mit großer Beachtung herausbrachte und so den noch nicht dreißigjährigen Dramatiker durchsetzte – eine für beide glückliche Symbiose also. Ob dieses Jahrzehnt des Aufbruchs lediglich eine Art politische und sozialkritische Gebrauchsdramatik hervorgebracht hat oder tatsächlich ein neues polnisches Drama, wird mit der weiteren Entwicklung von, neben anderen, Michal Walczak zu beobachten sein.

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Hier geht es zu den Texten über Michal Walczak.



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