Mittwoch, 13. Dezember 2017
 

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Theaterlandschaft Kroatien

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Es ist kein Wunder, dass sich ein solches Theatermodell, bei dem die finanzielle Sicherheit weder von künstlerischen noch von wirtschaftlichen Resultaten abhängig ist, mit dem Status quo abfindet und sich in der Mittelmäßigkeit einrichtet. Das Repertoire folgt einer konventionellen, oft populären und kommerziellen Richtung – innovative Inszenierungsmethoden sind nicht in Sicht. Während und kurz nach dem Unabhängigkeitskrieg waren ausländische Regisseure quasi verboten, selbst die Slowenen wurden als unerwünschte Gäste betrachtet. Mittlerweile ist es wieder umgekehrt: Am liebsten laden die Theater ausländische Regisseure mit uninteressanten künstlerischen Biographien ein, oder auch kroatische Regisseure der mittleren Generation, die für Ruhe und Konformismus stehen. Es gibt in Zagreb Regisseure, die an fast allen Theatern der Stadt inszenieren, was zur Folge hat, dass kein Theater ein wirklich eigenes Profil entwickelt; überall, in Theatern wie dem Gavella, dem Kerempuh oder dem ZeKaeM, sieht man Aufführungen, die sich kaum voneinander unterscheiden.

Zwei Welten: Das Etablierte und die junge Szene
Auch wenn das kroatische Theater bessere Zeiten kannte: heute hängt sein Mainstream einem angestaubten Theaterbegriff an und ist nach wie vor von Psychologie, Realismus und Illustration geprägt. Einige wenige schüchterne Abweichungen in Richtung Modernismus sind epigonenhafte, zweitklassige Versionen von irgendwelchen deutschen oder französischen Vorbildern. Und eine Risikobereitschaft, die diesen Stand der Dinge aufbrechen könnte, ist kaum vorhanden: Eine junge, nachwachsende Generation von diplomierten Regiestudenten findet auf den großen Bühnen nur selten Platz. Die Theaterakademie in Zagreb, die selbst sehr lange als Bollwerk der Rückständigkeit und des Konservatismus galt, hat seit einigen Jahren, bedingt durch den Wechsel der Professorengeneration, interessante künstlerische Persönlichkeiten hervorgebracht. Was aber die Intendanten nur wenig interessiert – keiner von ihnen hat es nötig zu erscheinen, um sich etwa eine Diplominszenierung anzusehen. Auch eine kreative Vermischung zwischen freier Szene und Staatstheatern, wie sie in Deutschland üblich geworden ist, gibt es nicht, diese Welten bleiben deutlich voneinander getrennt.

Für junge Autoren ist es nicht leichter. Viele rekrutieren sich aus dem Dramaturgie-Studium der Theaterakademie. Es fehlt jedoch eine Theaterpolitik, die die Präsentation neuer kroatischer Texte regelmäßig fördern würde. Sieht man von ein paar Jurys ab, die ab und zu einige Preisen verleihen, haben die jungen und jüngsten Autoren allen Grund zur Klage: Sie werden an den Theatern nicht gelesen, auch nicht an denen mit fest angestellten Dramaturgen. Auf eine Generation, die Ende der 80er und Anfang der 90er Jahre mit wenigen Aufführungen die Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat – etwa Ivan Vidić, Asja Srnec-Todorović, Mate Matišić oder Filip Šovagović –, folgte Ende der 90er eine neue Generation, die sich mit den Realitäten des gesellschaftlichen Umbruchs in Kroatien beschäftigt. Einige von ihnen wie Ivana Sajko und Tena Štivičić haben sich einen Namen im Ausland gemacht, auf heimischen Bühnen aber sieht man sie fast nie.