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Theaterlandschaft Serbien

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Was die Themen der neuen Stückeschreiber beiderlei Geschlechts angeht, so lässt sich schwer eine Gemeinsamkeit ausmachen, obwohl sie sich alle mit der gegenwärtigen Situation in Serbien befassen. Wie fast alle jungen Dramatiker der Welt widmen sie sich dem Generationenkonflikt, wobei sie spezifisch serbischen Merkmalen Rechnung tragen. In einigen Stücken wird das Schicksal der Serben im Ausland thematisiert, vor allem der jungen serbischen Intellektuellen als einer besonderen Art von Gastarbeitern. Vielleicht ist es interessant zu erwähnen, dass der 47jährige Nebojša Romčević am Beispiel der berühmten "Neuberin", der deutschen Kämpferin für das nichtkommerzielle Theater im 18. Jahrhundert, in seinem Stück "Caroline Neuber" dieses in Serbien noch heute aktuelle Thema verarbeitet hat.

Die serbischen Festivals
Zur serbischen Theaterlandschaft gehören unbedingt die Theaterfestivals, die es, ähnlich wie in Deutschland, in jeder größeren Stadt gibt. Die bekanntesten sind auf internationaler Ebene das Belgrader Internationale Theaterfestival BITEF, auf nationaler das Sterijino Pozorje. Letzteres ist auch im Ausland bekannt geworden als ein Festival, auf dem bis vor kurzem ausschließlich serbische – klassische wie zeitgenössische – Stücke gezeigt wurden. Es ist ein Forum, auf dem sich neue Dramatiker profilieren und neue Interpretationen der serbischen Klassik präsentiert werden, allen voran Werke des satirischen Komödienschreibers und scharfen Kritikers des serbischen Chauvinismus Jovan Sterija Popović (1806 – 1856). Theaterleute aus den Nachfolgerstaaten des ehemaligen Jugoslawiens, nicht so engstirnig wie die hitzköpfigen Politiker, die die kriegerischen Auseinandersetzungen der 90er Jahre auf dem Balkan heraufbeschworen haben, nehmen in der letzten Zeit gern an diesem Festival teil.

Mit BITEF steht Belgrad seit über vier Jahrzehnten im September jedes Jahres in der Reihe der bedeutenden Theaterzentren der Welt. Auf diesem Festival präsentierten sich zum ersten Mal damals noch fast unbekannte Regisseure wie Grotowski, Barba, Ronconi, Schechner, Wilson, Vasilev in Serbien. Dank BITEF wird das deutsche Theater seit Jahrzehnten in Serbien geschätzt und geliebt, denn neben den schon bekannten deutschsprachigen Regisseuren Lietzau, Tabori, Zadek, Besson und Castorf zeigten in Belgrad ihre frühen Inszenierungen Stein, Peymann, Ciulli, Piplits, Flimm, Pina Bausch, Sasha Waltz, Pollesch, Marthaler, Kaegi, Goebbels …

In diesem Zusammenhang ist anzumerken, dass in den Theatern Belgrads und überhaupt Serbiens außer den gestandenen Autoren deutscher Zunge wie Heiner Müller, Kroetz, Fassbinder und Jelinek auch die Vertreter der neuen Generation gespielt werden wie Schimmelpfennig (der bei dem diesjährigen BITEF Mitglied der Jury sein wird), Marius von Mayenberg, Dea Loher, Albert Ostermaier, Ingrid Lausund u.a.

(Aus dem Serbischen von Mirjana und Klaus Wittmann)


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Hier geht es zu den Texten über die serbische Dramatikerin Maja Pelevic.


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