Donnerstag, 27. Juli 2017
 

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vom verlegen

Notwendigerweise oberflächlich

von Tobias Philippen und Marc Schäfers

Wir – schaefersphilippen™ – sind ein deutscher Theaterverlag und beschäftigen uns, wenig überraschend, zuerst und vor allem mit deutschsprachiger Literatur. Zu der haben wir sprachlich wie kulturell den größten Bezug, sie betrifft uns am meisten.

Uns interessiert besonders, mit Autoren und Künstlern sehr intensiv zusammenzuarbeiten, uns auszutauschen. Engen Kontakt zu pflegen. Dazu gehört es, zu telefonieren, sich zu treffen, gemeinsam Theater zu sehen, viele Skizzen oder Stückfassungen zu lesen und so fort. Und somit ist vieles von dem, was für uns das Verlegen spannend und vital macht, mit einem bulgarischen oder chinesischen Autor naturgemäß schwerer, wenn nicht unmöglich. Das mag für Kollegen, die des Chinesischen mächtig sind, natürlich anders sein. Aber das Verhältnis bleibt, selbst wenn man sich im englischen oder französischen Sprachraum bewegt, doch ein anderes.

Hier ein Festival, da ein Spektakel
Auf uns wirkt die Auseinandersetzung des deutschsprachigen Theaterbetriebs mit ausländischem Theater meist eher oberflächlich – hier ein Festival, da ein Spektakel, dort eine Zeitschriftenausgabe. Und wir können es keinem verdenken, wenn das Interesse irgendwo anfänglich bleibt. Denn außer Wissenschaftlern, Übersetzern und vielleicht manchen Journalisten vermag kaum jemand, eine ausländische Theaterszene wirklich im Auge zu behalten.

Entweder kann man es sich leisten, im Festival-Auftrag durch die Welt zu jetten, oder man muss sich gezwungenermaßen begnügen mit kurzen Einblicken. Wir als Verlag hätten gar nicht die Ressourcen, intime Kenner der russischen Theaterszene zu werden. Es sei denn, es gäbe auch dort – wie z. B. in England – eine rege Agenturlandschaft, die ihrerseits Angebote macht, bei denen man praktisch nur noch zugreifen muss – wenn man will.

Es gibt keinen Langstreckenscan
Außerdem ist das deutsche Theatersystem doch aus unserer Sicht so besonders, dass ein Austausch nicht leicht ist. Weder können sich deutsche Stadttheater mit noch so klugen französischen Komödien so recht anfreunden noch kann man sich vielleicht in Estland mit den Explosionen oder auch Fehlzündungen des deutschen Regietheaters aus ganzem Herzen identifizieren. Schon deshalb ist es nachvollziehbar, wenn der internationale Theateraustausch sich oft auf die Ebene hochinteressierter, kurzweiliger Festivals beschränkt. Und es heißt für den Verlag, dass sich die ausländische Literatur vielfach im Bereich des unternehmerischen Idealismus abspielt.

Wenn wir ausländische Autoren entdecken, dann ganz so, wie es bei deutschsprachigen passiert: Wir stoßen auf sie, wir begeistern uns, wir wollen sie vertreten. Irgendeinen Langstreckenscan gibt es da nicht. Bei den "Standardländern" USA, England, Frankreich noch weniger als anderswo. Wir empfinden auch, offen gestanden, kein Gebot, uns mit ausländischem Theater strukturiert zu befassen. Eher fragen wir uns manchmal, ob man nicht stärker noch für das deutschsprachige Theater im Ausland werben und arbeiten könnte, und über welche Kanäle.


Kommentare (1)Add Comment
French Farces
geschrieben von Kalinka, 07. Oktober 2009
Und 'Kunst' von Yasmina Resa war kein Flächenbrand in den deutschen Stadttheatern? Augen auf, es gibt mehr als schlappe Pointen! Ein Gebot zur Ausschau an weiten Horizonten gibt es nicht, aber mein größter Respekt gilt vor allem den neugierigen und mutigen Verlegern!

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