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Theaterlandschaft Niederlande

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Andere in ihrer Generation verzichten ganz und gar auf Worte. Junge Theatermacher wie Lotte van den Berg, Jetse Batelaan, Boukje Schweigman und Dries Verhoeven suchen nach spannenden neuen Theaterformen. Sie arbeiten meist außerhalb der Theater und entwickeln ihren Stil bei den beliebten Sommer-Festivals. Diese Festivals vermeiden die Dichotomie zwischen Avantgarde und Konservatismus, indem sie hohe Kunst, ortspezifisches Theater und erschwingliche Preise mit großem Erfolg in ihrem Programm miteinander in Einklang bringen.

Auf vielen Wegen führt diese Generation der heute Dreißigjährigen die Arbeit von Hollandia (Johan Simons' Gruppe in den 80er und 90er Jahren) und der Dogtroep, den Gründungsvätern des niederländischen ortspezifischen Theaters weiter, aber sie fügen ihre eigene Imaginationskraft und außergewöhnliche Innigkeit hinzu.

Hauptthema ist der Akt des Sehens selbst
Schweigman, eine ausgebildete Pantomimin, macht ein Theater trügerisch einfacher Bewegungen, die sich als unerwartet tiefgründig erweisen. Gemeinsam mit ihrem Bühnenbildner Theun Mosk kreiert sie intime Räume, in denen die Aufführenden und das Publikum unverfälschte Begegnungen erwarten können. Verhoeven, ursprünglich ein Bühnenbildner, schafft architektonische Installationsperformances, in denen der Zuschauer fast unmerklich zum Performer wird.

Van den Berg, die radikalste Regisseurin ihrer Generation, konstruierte einen geschlossenen Kasten mit einem Fenster für ihre Performance "Gerucht" (2007), in dem ihr Publikum einen belebten Platz in der Innenstadt betrachten konnte. Alle diese jungen Theaterschaffenden machen den Akt des Sehens selbst zu ihrem Hauptthema. Die alltägliche Natur der einfachen Sprache, die sie benutzen, wird durch die Poesie ihrer Bilder kompensiert. In einer ruhelosen Zeit suchen sie nach Mitteln, um Aufmerksamkeit und Konzentration zu erlangen und Urteil und Interpretation zu umgehen. Sie unterlaufen den Zynismus der Gesellschaft, indem sie bewusst naiv sind. Sie wollen sich nicht mit einem Randplatz in der Avantgarde begnügen und haben eine fundamental internationale Ausrichtung.

Vielleicht also braucht das niederländische Theater gar keine Stücke, um die Kluft zwischen verschiedenen Bühnenkulturen zu überbrücken. Die Aufführungen der derzeitigen Generation können das ganz von alleine.

(Aus dem Englischen von Dorit Schleissing)

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Hier geht es zu den Texten über Nathan Vecht.


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